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Vorwort
Wir leben in einer vom 'gedruckten Buch' geprägten Gesellschaft.
Unser philosophisches, religiöses und literarisches Denken ist,
seit Guttenberg 1455 den Buchdruck erfunden hat, stark geprägt
und eng verbunden mit der Idee des Buchs. Auf den ersten Blick
eigentlich nur eine Ansammlung von Blättern aus Papier, entweder
blank, beschrieben oder bedruckt, zusammengebunden zu einem materiellen
Ganzen, ein geschlossenes System mit Vorder- und Rückseite, einer
ersten und einer letzten Seite. Gelesen von links nach rechts
und von oben nach unten (wenn man von unserer westlichen Zivilisation
ausgeht), von Seite zu Seite durch eine lineare Abfolge von Kapiteln
mit Anfang und Ende, geschrieben von (meistens) einem Autor.
Ein Drama mit seiner konzentrierten Handlung, auf die Lösung eines
Konfliktes ausgelegt (Aristotelisches Drama, usw.) und der Roman,
mit seinem epischen Aufbau, in dem ein Autor seine Protagonisten
durch so manche Irrungen und Wirrungen führt und am Ende eine
Lösung präsentiert, sind nur zwei typische Erscheinungsformen,
die über die Jahrhunderte in gedruckter Form publiziert wurden
und immer wieder gab es einzelne Bestrebungen, die Grenzen des
(Buch-) Drucks zu sprengen, der Starrheit der festen Form eines
gedruckten Werkes zu entfliehen (siehe experimentelle Literatur).
Mit unserem heutigen Stand der Computerisierung und der Erfindung
und Entwicklung von Textprogrammen am Computer scheint man nun
diesem Ziel nähergekommen zu sein, eine neues Modell des (elektronischen)
Schreibens ist Wirklichkeit geworden: der Hypertext.
Theodor Holmes Nelson hatte Mitte der sechziger Jahre das Modell/Verfahren des Hypertext,
Textpassagen/Textfragmente untereinander durch Links in einem
Netzwerk zu verbinden im Rahmen seines Xanadu-Projekts, konzipiert
(ein ziviles Internet, wie wir es heute kennen und nutzen, war
zu dieser Zeit noch nicht einmal angedacht).
Nelson griff dabei auf eine Idee von Vanevar Bush zurück, die
dieser 1945 in seinem Artikel «As We May Think» als «Memex» bezeichnete: ein Online Text- und Retrivelsystem
mit assoziativen Zugriff auf Texte, Bildmaterialien aller Art
und persönlichen Notizen.
Mitte der achtziger Jahre begannen dann Autoren, wie z.B. Michael
Joyce («Afternoon - a story», 1987), sich dieser Technik des Hypertext zu bedienen und erzeugten
per Hyperlinks literarische Textgebilde, die Hyperfiction war geboren.
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